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Sepp Braun

Landwirtschaft in Kooperation mit der Natur – Warum brauchen wir eine aufbauende Landwirtschaft und wie kann eine solche aussehen?

Sepp Braun bewirtschaftet einen Bioland-Betrieb mit Milchvieh, Legehennen, Ackerbau und Saatguterzeugung nördlich von München. Bereits 1986 stellte er auf ökologische Landwirtschaft um. Sepp Braun hat sich ganz der Erforschung der Bodenfruchtbarkeit verschrieben und gilt hier als ein Pionier. Er integriert Wildpflanzen in seine Anbausysteme, praktiziert Mischfruchtanbau und hat ein Agroforstsystem im Kurzumtrieb angelegt. Seine Wirtschaftsweise leitet er aus der Beobachtung der Pflanzen und Bodentiere und ihrer Ansprüche ab. Sein Ziel ist es, wenig einzugreifen und in Kooperation mit der Natur zu arbeiten.

In seinem Webinar stellt er aktuelle Paradigmen in der Landwirtschaft (sowohl konventionelle als auch ökologische) in Frage. Er zeigt dabei die globalen Herausforderungen in den Bereichen Klima, Boden, Artenvielfalt, Tierhaltung, Wasser und auch für den Menschen auf und beschreibt, durch welche Konzepte - natur-kooperativ -  die Landwirtschaft zur Lösung beitragen kann. Ein toller Einführungsvortrag in die Thematik von dem Pionier einer aufbauenden Landwirtschaft in Deutschland.

Jens Petermann

700 Hektar - auf dem Wege zur humusaufbauenden Landwirtschaft

Jens Petermann ist gelernter und studierter Landwirt eines 700 Hektar Betriebes (Ackerbau und Insgesamt 350 Tiere, davon ca. 170 Milchkühe, 40 Mastrinder und Nachzucht) in Brandenburg. Er war bis 2007 konventioneller Landwirt und wurde ab einem Erosionsschaden im eigenen Betrieb ein konventionell „Unkonventioneller“. Die wirtschaftliche Lage kleiner und mittlerer Milchviehbetriebe der letzten Jahre erzwang den längst überfälligen Schritt zum Biobetrieb.

Jens Petermann beschreibt seinen Weg zu einer humusaufbauenden Landwirtschaft, biografisch, firmenhistorisch und vor allem auch landwirtschaftlich-fachlich. Er hinterfragt gängige Konzepte aus Lehre und Praxis und stellt seine humusaufbauenden theoretischen und praktischen Erfahrungen vor. Er zeigt auf, wann ein Boden von alleine „funktioniert“ und wie der Landwirt seinem Boden auf dem Weg dahin (in der Bodenphysik, -chemie und -biologie) helfen kann.

Michael Weiß

Mykorrhiza & Co.: Die Bedeutung wurzelsymbiontischer Pilze für einen nachhaltigen Pflanzenbau

Michael Weiß hat sich an der Universität Tübingen in internationalen Kooperationen intensiv mit Grundlagenforschung zur Evolution, Ökologie und Systematik der Pilze beschäftigt. Seit 2015 leitet er das Steinbeis-Innovationszentrum Organismische Mykologie und Mikrobiologie. Ein aktuelles Projekt beschäftigt sich mit der Herstellung effektiver Trockendünger durch Fermentation von Lebensmittelresten mit Biomasse aus der Kulturlandschaft, ein anderes mit der Entwicklung innovativer Beizverfahren mit wurzel-assoziierten Mikropilzen, um die Toleranz von Pflanzen gegen verschiedene Arten von Stress (z.B. Trockenheit oder Schädlingsdruck) zu stärken.

In seinem Vortrag führt er in die Beschreibung und Bedeutung der Pilze im Rahmen des Gesamtkosmos Erde ein. Er legt den Fokus auf die Bedeutung der Pilz-Wurzel-Symbiosen - der Mykorrhiza – und beschreibt, wie diese für ein gesundes Pflanzenwachstum sorgen können. Michael Weiß führt weiterhin Ansätze und Maßnahmen an, wie Landwirte ihre Boden mykorrhiza-freundlich bestellen können und führt aktuelle Forschungsergebnisse an.

Christoph Felgentreu

Gründüngung & Zwischenfrüchte - Boden aufbauen

Christoph Felgentreu hat Pflanzenproduktion an der Humboldt-Universität studiert. Von 1990 bis 2019 war er Leiter der Betriebsstätte Deutsche Saatveredelung AG. Dazu gehören 2,5 ha Versuchsfläche, auf der aktuelle Fragen der Landwirte aufgegriffen werden. Dazu werden gemeinsam mit Pflanzenschutz-, Düngemittel- und Technikfirmen Sorten und Anbautechnologien der wichtigsten in der Umgebung angebauten Kulturen getestet.

Christoph Felgentreu führt in die grundlegenden Maßnahmen ein, welche Landwirte umsetzen können, um die Bodenfruchtbarkeit nicht nur zu erhalten, sondern auch zu steigern. Als zentrales Element thematisiert er Zwischenfrüchte und Untersaaten. Er zeigt anhand wissenschaftlicher Studien die Vorteile eines dauerhaft bedeckten Bodens mit hoher ober- und unterirdischer Biodiversität für die Bodenfruchtbarkeit (gesündere Pflanzen, erhöhte mikrobielle Aktivität im Boden, bessere Krümelstruktur etc.).

Jan-Hendrik Cropp

Anbausysteme zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit

Jan-Hendrik Cropp ist ausgebildet im Gemüse- und Ackerbau durch selbstverantwortliche Tätigkeit in verschiedensten Betrieben, durch das Studium der Ökologischen Agrarwissenschaften und diverse Fortbildungen. Der Fokus seiner Beratungstätigkeit liegt auf Anbausystemen zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit in Gemüse- und Ackerbau. Er ist außerdem Journalist, Bildungsarbeiter und politisch aktiv. Seine Überzeugung ist es, dass man zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit das System Boden – Bodenleben – Pflanze in seiner Gänze interpretieren lernen muss.

Sein grundsätzliches Leitmotiv bildet die Funktionsweise eines natürlichen Ökosystems. Anhand dessen formuliert er vier Prinzipien: Minimale Bodenbearbeitung, möglichst hohe Vielfalt, lebendige Wurzeln möglichst ganzjährig und möglichst immer eine Mulchdecke aus toter Organik. Er stellt die garekonservierende Bodenbearbeitung vor und zeigt auf, wie Landwirte auf pragmatische Art ihre Garequalität beurteilen und daraus die „richtigen“ Schritte in der Bodenbearbeitung ableiten können. Weitere Themen seines Vortrages sind Transfer-Mulch, Untersaaten, Beisaaten, Zwischenfrüchte und Direktsaat im Ökolandbau.

Michael Reber

Bodenfruchtbarkeit und Humusaufbau als Schlüssel zu den Herausforderungen der Zukunft?! - Wir Bauern sind die Lösung!

Michael Reber bewirtschaftet einen konventionell wirtschaftenden Betrieb mit Ackerbau, Schweinemast und Biogasanlage bei Schwäbisch Hall. Schon über 30 Jahre wirtschaftet der Betrieb pfluglos. Stagnation in den Erträgen trotz steigendem Aufwand an Mineraldünger, chemischem Pflanzenschutz und hohem Anteil organischer Dünger sorgten dafür, dass er sich auf die Suche nach einer Weiterentwicklung des Anbausystems machte. Der Bodenkurs bei Friedrich Wenz und Dietmar Näser gab ihm das Werkzeug für eine Neuorientierung an die Hand, Biomasseproduktion und Humusaufbau in Einklang zu bringen, wohlwissend, dass sich der Betrieb hier erst am Anfang einer langen Reise befindet.

Michael Reber hinterfragt in seinem Vortrag gängige Lehrmeinungen in der Landwirtschaft und zeigt auf, dass die Bauern die Lösungen sind, um die aktuellen Herausforderungen anzugehen. Grundelemente sind für ihn die Bodenfruchtbarkeit und der Humusaufbau. Anhand seines Betriebes zeigt er seinen Weg (mit allen Erfolgen und Misserfolgen) zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit auf. Zentral ist dabei für ihn, die huminstoffbildenden Prozesse zu unterstützen. Dabei thematisiert er die Rolle der Nährstoffverhältnisse in der Bodenchemie und der Dauerbegrünung – der grünen Brücke - (mit Liquid-Carbon-Pathway, Untersaaten, Mischkultur, Zwischenfrüchte, Flächenrotte und vitalisierende Blattspritzungen mit Komposttee)

Andrea Beste

Beurteilung der Bodengesundheit - Einführung in die "Qualitative Bodenanalyse"

Andrea Beste ist Diplomgeografin, Agrarwissenschaftlerin und Bodenexpertin. Sie hat die Feldmethode „Qualitative Bodenanalyse“ entwickelt, die von jedem Landwirt verwendet werden kann. 2001 gründete sie das Büro für Bodenschutz & Ökologische Agrarkultur (gesunde-erde.net), welches internationale Bodenanalyse und Beratung anbietet. Seit 2008 berät sie Abgeordnete des EU-Parlaments, des Deutschen Bundestages und verschiedener Länderparlamente. Sie ist Mitglied im Fach-AK Bodenschutz des BUND und Co-Autorin des von Heinrich-Böll-Stiftung, Institute for Advanced Sustainability Studies, BUND und Le Monde diplomatique herausgegebenen Bodenatlas.

Sie führt in ihrem Vortrag in die Feldmethode der „Qualitativen Bodenanalyse“ ein und zeigt, wie Landwirte diese anwenden können, um eine aussagekräftige Bodenbonitur durchführen zu können. Zentral sind in der Bonitur die Beurteilung des Bodengefüges und des Boden/Wurzel-Kontaktes. Ein besonderes Element dieser Analysemethode ist, dass sie bodenartspezifisch und horizontspezifisch ist. Hierauf geht sie anschaulich ein. Darüber hinaus stellt sie weitere einfache Bodenbeurteilungsmöglichkeiten (z.B. Stechzylinder, Penetrometer, Aggregatstabilitätstest) vor.

Johannes Storch

Mulchen im Freiland-Gemüsebau

Johannes Storch führt seit 2011 den Gemüsebau auf dem Bio-Gemüsehof Dickendorf. Von Anfang an war es sein Ziel, die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und sogar zu steigern. Durch Beobachtung der Natur war bald klar, dass intensive Durchwurzelung in Kombination mit einer organischen Mulchdecke der Schlüssel ist. Die Anpassung dieser Prinzipien an den Feld-Gemüsebau bedeutete viel Entwicklungseinsatz. Die daraus entstandenen Innovationen im Anbausystem und in der Technik trugen zu einer substantiellen Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit bei, sowie weitere Vorteile bei Unkrautmanagement, Arbeitswirtschaft und bei der Pflanzenernährung. Mittlerweile ist Technik und das Anbausystem ausgereift, sodass der Betrieb Beratung und professionelle Pflanztechnik für das Mulchsystem anbietet.

In seinem Webinar stellt Johannes Storch das Verfahren der Mulch-Direktpflanzung detailliert vor. Er beschreibt die einzelnen Arbeitsschritte auf seinem Betrieb und erläutert seine Biomasse- und Wurzel-optimierte Fruchtfolge als Kernelement des Anbauverfahrens. Weiterhin stellt er die von ihm und seinem Team entwickelte Mulchpflanzmaschine vor. Basierend auf wissenschaftlicher Begleitforschung führt Johannes abschließend die Entwicklung der Nährstoffbilanzen und -freisetzung seiner Felder auf.

Peter Bloching

Acker, Weide, Biotope alles in einem Jahr, auf einer Fläche, oder Ackerbau mit Permakultur-Elementen

Peter Bloching ist Landwirtschaftsmeister mit klassischer Ausbildung. 1996 Übernahme des Familienbetriebes (Milchvieh und Ackerbau) und Aufbau einer Molkerei mit Direktvermarktung (bis 2017). 2004-07 Entwicklung und Umsetzung von Verkauf über Automaten. 2009 Umstellung auf Bioland. 1987 1. Wahrnehmung von Bodenerosion, dann ab 1989 Mulchsaat. „Bis 2002 waren wir ein großer Maisanbauer in der Region. Durch die Gentechnikdiskussionen, ab 1995, und die BSE Krisen (1995-2001) habe ich jegliches Vertrauen in die Agrarindustrie verloren. Bereits 2007, vor der Umstellung auf Bio haben wir den Maisanbau eingestellt. Ab 2010 Anpflanzungen von Agroforstbiotopen. Zwischenfrüchte, ab 1989. Untersaaten, ab 2003. Natürliche Selbstumwandlung zur Wiese, 2010.

Peter Bloching zeigt in seinem Vortrag auf, wie er als Landwirt zu mehr Gesundheit in der Natur, bei den Tieren und Pflanzen und bei den Produkten beitragen kann. Auf dem Acker spielen für ihn dabei Untersaaten, Zwischenfrüchte und die Integration von Tieren eine zentrale Rolle. Weiterhin beschreibt er, wie er sein Anbausystem auf die Optimierung der Photosyntheseleistung und der Interaktion mit dem Bodenleben ausgerichtet hat. Auf der Fläche versucht er auch möglichst viel Diversität und kleinräumige Strukturen zu erzeugen. Dies erzielt er durch das Anlegen von diversen Gehölz- und Blühstreifen.

Viviane Théby

Mit Tieren Bodenfruchtbarkeit steigern - Holistisches Weidemanagement

Viviane Théby ist Tierärztin, Landwirtin und vom Savory Institut zertifiziert im Ganzheitlichen Management. Sie betreibt mit ihrem Lebensgefährten den Scheuerhof seit 2017 nach den Prinzipien des ganzheitlichen Weidemanagements. Dort zeigen beide, dass man auch eine artenreiche Landwirtschaft profitabel betreiben kann. Die Grundlage bildet eine gesunde Weide mit einem artenreichen Bodenleben.

In ihrem Vortrag erklärt Viviane Théby den Ansatz des ganzheitlichen Managements, welchesr ursprünglich von Allan Savory entworfen wurde. Dieser Ansatz ist im Kern ein Managementansatz, welcher, basierend auf einer ganzheitlichen Betrachtung der Natur, dem Landwirt ermöglicht, Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen. Einen Schwerpunkt legt sie dabei auf die Erläuterung der vier Ökosystemprozesse: Wasserzyklus, Mineralstoffzyklus, Energiefluss und Gemeinschaftsdynamiken. Im weiteren Verlauf geht sie auf den Produktivitätszyklus von Gras ein und mit welchen Werkzeugen dieser Zyklus gesteuert werden kann. Gegen Ende der Präsentation beschreibt sie ihren Weideplan und zeigt auf, welche Entwicklungen ihre Weideflächen in den letzten Jahren durchgemacht haben.

Burkhard Kayser

Multifunktionale Landwirtschaft mit Agroforstsystemen

Burkhard Kayser ist freier Berater für nachhaltige Landnutzung, Agroforstsysteme und Permakultur. Seit bereits über 30 Jahren beschäftigt er sich mit der Anlage von Agroforstsystemen sowie der Phänologie und den Standortansprüchen von Gehölzen auf landwirtschaftlichen Nutzflächen. Außerdem ist der Leiter des Fachbereichs "Planung und Beratung" des Deutschen Fachverbandes für Agroforstwirtschaft (DeFAF).

In seinem Vortrag geht ganz allgemein auf die Definition von Agroforstsystemen (AFs) ein und zeigt verschiedenste Varianten auf. Weiterhin beschreibt er die geschichtliche Bedeutung von Agroforstsystemen in den europäischen Kulturlandschaften. Seinen Fokus legt er auf die Wirtschaftlichkeit solcher AFs und stellt hier verschiedene Systeme und ihre jeweiligen ökonomischen und ökologischen Nutzen für Mensch und Natur vor. Weiterhin beschreibt er grundlegende umsetzungsrelevante Aspekte, bevor er abschließend aktuelle rechtliche und förderrechtliche Bedingungen von AFs erläutert.

Sebastian Heilmann

Mit Market Garden zu mehr Bodenfruchtbarkeit & besseren Ernten

Durch eine längere Zeit in Indien und in der biologisch-dynamischen Bewegung dort, sowie dem Absolvieren der Freien Ausbildung im Norden, hat Sebastian in der Landwirtschaft die Inspiration gefunden, eine aufbauende Landwirtschaft mit zu entwickeln. Erfahrungen sammelte er bisher mit Mutterkühen, Legehennen, Milchziegen, kleingliedrigem Ackerbau, und immer stärker im Gemüsebau, mit Weiterbildungen zum Bodenmikrobiologie, Kompostieren, Komposttees und Mikroskopie. In der Gemeinschaft Schloss Tempelhof geht Sebastian seinem starken Anliegen nach, eine vielfältige und regenerative, kleinbäuerliche Landwirtschaft zu fördern und mit zu formen.

In seinem Vortrag beschreibt er den Ansatz des Market Gardening und wie dieser zu mehr Bodenfruchtbarkeit und besseren Ernten führen kann. Die Schlüssel zu mehr Bodenfruchtbarkeit im Gemüsebau sind für Sebastian Bodenruhe, Vielfalt, Lebendiger Bewuchs und Bodenbedeckung. Weiterhin beschreibt er den Komposteinsatz als weiteren Schlüssel und zeigt auf, wie sie auf dem Betrieb mit Kompost umgehen. Anhand dieser Schlüsselelemente zeigt Sebastian auch, wie sie dank des Market Gardening Ansatzes auf kleiner Fläche viel Gemüse ernten können.

Ines Fritz

Beitrag der Mikroorganismen zur natürlichen Bodenfruchtbarkeit

Ines Fritz ist Assistenzprofessorin am Institut für Umweltbiotechnologie an der Universität für Bodenkultur Wien. Einer ihrer Schwerpunkte ist die Erforschung der mikrobiellen Aktivität im Boden. Aus ihrer Sicht leisten die Mikroorganismen die zentrale Arbeit beim Humusaufbau und damit bei der Sicherung der natürlichen Fruchtbarkeit unserer landwirtschaftlichen Böden.

In ihrem Vortrag schildert Ines Fritz ihre wissenschaftliche Perspektive auf die Mikroorganismen (MO) und ihren Beitrag zum Aufbau bzw. zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Sie stellt dar, wie Mikroorganismen seit Milliarden Jahren eine zentrale Rolle in der Schaffung von Leben auf der Erde spielen. Sie beleuchtet die Lebensgrundlagen von MO und ihre Interaktion mit ihrer Umwelt. Zentral ist, dass MO ihren Lebensraum selbst gestalten. Somit wird aus leblosem Stein ein fruchtbarer, lebendiger Boden, welcher die Grundlage zur Weiterentwicklung der eigenen Spezies dient. Dieser Prozess funktioniert umso besser, je diverser die mikrobielle Gemeinschaft ist. Auch die Resilienz gegenüber Umweltveränderungen hängt ihrer Ansicht nach stark mit der Vielfalt der mikrobiellen Gemeinschaft zusammen. Auf diesen Erkenntnissen aufbauend, beschreibt Ines Fritz die Entstehung von Humus im komplexen System der Boden-Pflanze-Mikroorganismen-Interaktion.

Christoph Zehrfuchs

Kompostierung nach dem MC Verfahren und Torffreie Jungpflanzenanzucht

Nach dem Abschluss der HBLA Raumberg-Gumpenstein übernahm Christoph Zehrfuchs den elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb. 2012 Umstellung auf biologische Wirtschaftsweise. Grundlage waren die Erkenntnisse der Bodenpraktikerausbildungen von Bio Austria. Weitere Ausbildungen wie das „Intensivseminar Bodenfruchtbarkeit“ und der „Bodenkurs im Grünen“ bilden die heutige Bewirtschaftungsgrundlage. Der Hof produziert Gemüse, Obst und Getreide für die Mitglieder der Solidarischen Landwirtschaft. Zentraler Erfolgsfaktor ist die Verlebendigung des Bodens mit Mulch, Begrünung, Flächenrotte, mikrobieller Carbonisierung und Komposttee.

Christoph Zehrfuchs gibt einen Überblick über die gängigsten Kompostierungsverfahren. Hier differenziert er zwischen den Verfahren und zeigt die Vor- und Nachteile für seinen Betriebskontext auf. Er beschreibt en Detail die mikrobielle Kompostierung nach Witte und zeigt seinen Versuchsaufbau und -erfahrungen seit 2015. In seine Erfahrungen fließen dabei sowohl empirische als auch wissenschaftliche Untersuchungen (z.B. nach Unterfrauner, Kinsey) ein. Im zweiten Teil beschreibt er die Prozessschritte der torffreien Jungpflanzenanzucht vor seinen Gemüsebau.

Franz Grötschel

Begrünung (Zwischenfrüchte) mit Plantinggreen - neue Wege und Ziele. Bodenbedeckung 365 Tage im Jahr

Franz Grötschlist landwirtschaftlicher Meister und bewirtschaftet 75 ha mit einem konventionellen Milchviehbetrieb (65 Kühe plus weiblicher Nachzucht) im Burgenland (Österreich). Hauptsächlich aus Arbeitszeitgründen arbeitete er in den 90er im Getreide nur Grubbersaat. Aufgrund zunehmender Trockenheit auf den Sandböden, versuchte er auch im Mais Mulchsaat mittels Zwischenfrüchte und eines selbstgebauten Reihengrubbers mehr Humus aufzubauen. Die Bodenbiologie ist Grötschl sehr wichtig. Je diverser eine Kultur am Feld steht, je weniger künstlichen Eingriff ist in dem natürlichen Ablauf dann notwendig. Das ermöglicht ihm mittlerweile weitgehend auf Mineraldünger sowie chemischen Pflanzenschutz zu verzichten. Flächenrotte bei Verunkrautung und Striptill für die Gülleinjektion und Notill sind Grundsätze der Bewirtschaftung.

Franz Grötschel beschreibt seine betriebliche Umsetzung des Gülle-Stripptill-Verfahrens (zum Beispiel in den Mais). Hier geht er auch auf die Wirtschaftlichkeit des Stripptill-Verfahrens gegenüber klassischen konventionellen Verfahren ein und zeigt die substantielle Zeitersparnis auf. Weiterhin erklärt er die Bodenbearbeitungsverfahren und Kulturtechniken einer möglichst ganzjährigen Bodenbegrünung („Grüne-Brücke“) im Rahmen seines „Mini-Notill-Mulch-Verfahrens“.

Viviane Théby

Mikroorganismen und Komposttee - Wie uns die Kleinen helfen können

Viviane Théby ist Tierärztin, Landwirtin und vom Savory Institut zertifiziert im Ganzheitlichen Management. Sie betreibt mit ihrem Lebensgefährten den Scheuerhof seit 2017 nach den Prinzipien des ganzheitlichen Weidemanagements. Dort zeigen beide, dass man auch eine artenreiche Landwirtschaft profitabel betreiben kann. Die Grundlage bildet eine gesunde Weide mit einem artenreichen Bodenleben.

In ihrem Vortrag stellt sie einige der „wichtigen“ Bodenorganismen für die Bodenfruchtbarkeit vor. Dazu zeigt sie eine Reihe mikroskopischer Nahaufnahmen. Hierbei erläutert sie die Funktion der anaeroben und aeroben Organismen und zeigt, welche Organismen als Indikator für gesunde bzw. ungesunde Prozesse im Boden dienen. Im weiteren Verlauf des Vortrages geht Viviane Théby auf die Herstellung, Beurteilung und Ausbringung von Komposttee als Mittel zur Belebung des Bodens ein.

Florian Röttger

Angepasste Fruchtfolgen für Klima, Ertrag und Umwelt (Fruchtfolgegestaltung, Direktsaat, Zwischenfrüchte/Untersaaten)

Florian Röttger ist 32 Jahre alt, Betriebsleiter auf dem elterlichen Hof mit Schwerpunkt Sauenhaltung mit Ferkelaufzucht und Ackerbau. Seit 2015 arbeitet der Hof pfluglos; seit langer Zeit schon mit Sommer- und Winterzwischenfrüchten. 2019 erfolgte der Einstieg in die Direktsaat. Die Ferkelproduktion ist fast komplett ohne Antibiotika. Hintergrund ist der Wunsch, den Betrieb wieder in einen Kreislauf zu bringen, und möglichst viel eigenes Getreide/Eiweißfutter für die Sauen mit möglichst wenig Chemie zu erzeugen, um die Gesundheit im Betrieb und die Leistung der Tiere zu verbessern. Gleichzeitig soll der Ertrag, gerade in Trockenjahren, stabilisiert werden.

Florian Röttger beschreibt die Entwicklung seines elterlichen Betriebes hin zu einem bodenaufbauenden Betrieb. Dabei geht er detailliert auf die Themen Fruchtfolge, Direktsaat, Zwischenfrüchte und Untersaaten ein und zeigt auf, welche Erfahrungen er damit in den Jahren gemacht hat. Anschaulich beschreibt er die Anpassung und Umsetzung der Konzepte an seinem betrieblichen Kontext und welche Erfahrungen er damit gesammelt hat.

Jan-Hendrik Cropp

Direktsaat und Direkpflanzung im ökologischen Pflanzenbau

Jan-Hendrik Cropp ist ausgebildet im Gemüse- und Ackerbau durch selbstverantwortliche Tätigkeit in verschiedensten Betrieben, durch das Studium der Ökologischen Agrarwissenschaften und diverse Fortbildungen. Der Fokus seiner Beratungstätigkeit liegt auf Anbausystemen zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit in Gemüse- und Ackerbau. Er ist außerdem Imker, Journalist, Bildungsarbeiter und politisch aktiv. Seine Überzeugung ist es, dass man zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit das System Boden – Bodenleben – Pflanze in seiner Gänze interpretieren lernen muss.

Jan-Hendrik Cropp führt in seinem Vortrag in die Grundlagen der Direktsaat im Ökolandbau ein. Im Prinzip verheißt das Direktsaatsystem viele Vorteile: Es ermöglicht eine Pflanzung oder Saat ohne Bodenbearbeitung und somit eine „grüne Brücke“, es ermöglicht den Erhalt einer schon guten Bodengare und es spart Energie und Maschinenarbeit. Da die Direktsaat im Ökolandbau eine Herausforderung darstellt legt er ein besonderes Augenmerk auf die notwendigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung. Er beschreibt das System der Direktsaat als Zyklus und geht sukzessive alle wichtigen Schritte der Umsetzung durch (Bodenbearbeitung, Zwischenfrucht säen, Zwischenfrucht bonitieren, Zwischenfrucht abtöten, Saat/Pflanzung, Ernte und Bonitur). Der Gemüsebetrieb Dickendorf dient im hier als Beispiel. Eine gute und regelmäßige Bodenbonitur ist als Monitoringinstrument essentiell. Hier gibt er viele Boniturbeispiele.

Thorsten Arnold

Regenerative Landwirtschaft in Nordamerika – zwischen Gurus, Bewegung und Transformation

Thorsten Arnold ist Wissenschaftler, Berater, Autor und Landwirt. Zusammen mit seiner Frau Kristine Hammel betreibt Thorsten im Kanada den Persephone Market Garden, eine biointensive ökologische Gemüsefarm auf der „gesunde, faire uFnd einfach gute Lebensmittel“ produziert werden. Er hat im Bereich des Wassermanagements und der Agrarökonomie an der Universität Hohenheim promoviert. In seiner Arbeit als Wissenschaftler und Autor verbindet er die Herausforderung des globalen Klimasystems mit der Notwendigkeit, regionale regenerative Landnutzungssysteme zu entwickeln. Thorsten ist initiierend und beratend in zahlreichen Projekten in Nordamerika aktiv. Dank seiner Erfahrung im praktischen und akademischen Kontext, seinem Einblick in die zahlreichen Initiativen und Bewegungen und seiner Zweisprachigkeit kann er, wie kein anderer, eine Brücke zwischen Europa und Nordamerika im Bereich der aufbauenden Landwirtschaft spannen.

Zu Beginn seiner Präsentation geht Thorsten Arnold auf den amerikanischen Kontext ein. Er beschreibt die ökosystemischen Besonderheiten (vor allem der Steppenlandschaften) und zeigt auf, welche unangepasste Art der Landwirtschaft dort praktiziert wurde und immer noch wird. Mit dem Ergebnis, dass sowohl am Anfang des 20. Jahrhunderts als auch vor ein paar Jahren riesige Staubwolken („Dust Bowls“) zu verheerenden Katastrophen und kollektiven Traumata führte. Er macht deutlich, wie die riesigen, chemisch-industriellen Monokulturlandwirtschaften im Ackerbau und in der Tierhaltung den Boden und die Ökosysteme stark degenerieren. Im zweiten Teil des Vortrages beschreibt er die Evolution der amerikanischen Biobewegung und geht hier im Besonderen auf die Arbeiten von Wendell Berry und Allan Savory ein. Zum Abschluss skizziert er einige der bedeutendsten Landwirte und Organisationen der regenerativen Landwirtschaft in den USA.

Felix Miller

Methoden zur nachhaltigen Gülle- und Grünlandwirtschaft

Felix Miller hat Landwirtschaft an der Universität Hohenheim studiert und führt einen landwirtschaftlichen Betrieb gemeinsam mit seinem Vater. Der Hof wird nach den Richtlinien des Biokreis e.V. bewirtschaftet. Zum Hof gehören 45 Milchkühe mit teilweiser Nachzucht. Sein Ziel war, auf den 45 ha Eigenfläche den Humusgehalt zu steigern und die positive Bodenfauna zu fördern. Dadurch führte kein Weg an der Güllebehandlung vorbei, die der Betrieb nun schon einige Jahre mit durchschlagendem Erfolg betreibt. Durch viele Gespräche mit anderen Landwirten, die ihre Gülle behandeln ist das System mittlerweile ausgereift und bietet nicht nur, aber insbesondere für Biobetriebe, die Möglichkeit, die Nährstoffeffizienz, die Futterqualität und die Tiergesundheit zu verbessern.

Zu Beginn beschreibt Felix Miller seine Gründe weswegen er das System der Güllebehandlung umsetzt. Dabei spielen unter anderem eine Senkung der Arbeitszeitkosten, eine bessere Pflanzenverträglichkeit und eine Förderung aerober Prozesse im Boden zu den Vorteilen. Er zeigt auf, wie er die Milieusteuerung in der Praxis umsetzt und welche Mischungen er verwendet. Explizit geht er auf die verschiedenen Gesteinsmehle (Diabas, Zeolith, Bentonit) ein. Als weitere Bestandteile seiner Güllebehandlung skizziert er die effektiven Mikroorganismen, Pflanzenkohle und feinstoffliche Mittel. Zum Schluss beschreibt er seine Erfahrungen mit Leonardit als Mittel zur Gesundung von Boden und Tieren.

Olaf Schnelle (kein Live-Webinar)

Gemüseanbau - Verarbeitung der Überschüsse

Webinar-Preis: 0,80 Euro

Olaf Schnelle gründete zwei Gärtnereien, die sich in der deutschsprachigen Top-Gastronomieszene rasch einen Namen machten. Die erste Gärtnerei „Essbare Landschaften“ betrieb er von 1998 bis 2014. Sie beschäftigte sich mit der geschmacklichen Vielfalt von Wildkräutern. Seine aktuelle Gärtnerei „Schnelles Grünzeug“ befasst sich mit dem gesamten Spektrum kulinarisch wertvollen Grüns. Das Sortiment umfasst nun neben den Wildkräutern auch Gemüse, Hölzer, Wurzeln und Sämereien. In seiner praktischen Arbeit befasst er sich in seiner kleinen, sehr intensiv bewirtschafteten Gärtnerei mit mobilen Folientunneln und Grünmulch. Das neueste Projekt ist der Aufbau des „Zentrum für Gemüse-Fermentation im Trebeltal“, in dem er in unmittelbarer Nachbarschaft seine Überschüsse verarbeitet.

Dies ist kein Webinar, sondern eine gefilmte Führung über seinen Betrieb, v.a. mit einem Einblick in seine Fermentationsanlage.

Dominik Schreiber

Biodiversität und Bodenaufbau im Obstanbau

Robert und Dominik Schreiber bewirtschaften in Poysdorf, Niederösterreich, einen Obstbau- und Baumschulbetrieb mit Schwerpunkt Steinobst. Neben der für den Betrieb besonders wichtigen Marille (Aprikose), welche auch über den LEH vermarktet wird, gibt es mit den verschiedensten Obstarten eine intensive Direktvermarktung. Seit 10 Jahren wird nach Grundsätzen der regenerativen Landwirtschaft produziert. Dazu gehören vor allem vielfältige Begrünungen, die eigene Kompostierung, der Einsatz von Pflanzenkohle, Baumstreifenabdeckungen und reduzierter Pflanzenschutz.

Zu Beginn seines Vortrages weist Dominik Schreiber auf die Notwendigkeit eines ganzjährig begrünten Bodens hin. Denn Pflanzen spielen auch eine wichtige Rolle in der Entstehung von Regen und haben somit einen Einfluss auf den kleinen, regionalen Wasserkreislauf. In ihrer Obstbaumschule spielt diese Dauerbegrünung eine vielfältige Rolle. Sie dient der besseren Befahrbarkeit, beugt dem Nachbau vor, erhöht den Erosionsschutz, steuert den Wasserhaushalt und fördert die Nützlinge. All diese Eigenschaften kommen der Erzeugung gesunder Früchte, Bäume und Sträucher zu Gute. Im Weitern Verlauf zeigt Dominik, wie sie in ihrer Dauerkultur das Begrünungsmanagement durchführen und welche Erfahrungen sie über die Jahre gesammelt haben.

Philipp Gerhardt

Auf dem Holzweg - wie wir unsere Waldnutzung umbauen müssen, Klimawandel sei Dank

Philipp Gehrhardt ist Dipl.-Forstwirt, freier Berater und Planer für regenerative Landnutzung. Er hat an der Forstakademie in Tharandt (TU Dresden) studiert, in verschiedenen Forstbetrieben und als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien gearbeitet. Inspiriert ist er von den forstlichen Visionären Heinrich Cotta und Wilhelm Pfeil, deren Idee der ‚Baumfeldwirtschaft‘ früher als auch heute ein vielversprechendes Werkzeug zur Klimaanpassung landwirtschaftlicher Felder darstellt. In der Umsetzung nutzt er moderne Techniken ebenso wie altes Wissen. Mittlerweile hat er zahlreiche Betriebe beraten, die nun u.a. mit Baumpflanzungen und Schlüssellinienbearbeitung (Keyline Design) die Landschaft nachhaltig verändern und ihren Erfolg auf neue Wirtschaftsweisen aufbauen.

Philipp Gehrhardt beschreibt, unter welchem (Klima-)Stress unser Wald bereits steht und welche Herausforderungen ein aktives Waldmanagement angehen muss, wenn die Vorhersagen des Weltklimarates eintreten (Was leider sehr wahrscheinlich ist). Doch der Wald steht nicht losgelöst dar, sondern er steht in Interaktion mit der Landwirtschaft. Lehre ausgeräumte Felder haben einen großen Einfluss auf Windverhältnisse, Verdunstung und Niederschläge. Er zeigt auf, welche Vorteile Bäume in der Landschaft und der Landwirtschaft haben können, sowohl für die Regeneration des Landes als auch des Waldes (und auch als ökonomischer Nutzen). Hier führt er in das Konzept der „Baumfeldwirtschaft“ ein. Er zeichnet ein ganzheitliches Bild eines aktiven Waldumbaus von Ökosystem-Mimikry, über die Suche nach klimaplastischen Arten bis hin zur Nutzenoptimierung dieser Baumfelder.

Christian Hildmann

Der Wasserkreislauf - eine systemische Betrachtung

Christian Hildmann arbeitet als Wissenschaftler nach Stationen an der TU Berlin (Ökologie/ Limnologie) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Raum- und Umweltplanung) seit 2011 am Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften und leitet dort die Abteilung für Landschaftsentwicklung, Naturschutz, Gewässerökologie und -sanierung. Ein Schwerpunkt der systemisch und anwendungsbezogen ausgerichteten Forschung ist das Wasser. Darin bündeln sich von quantitativen Aspekten über den Stofftransport mit der qualitativen Seite bis hin zum Lebensraum die landschaftsökologischen Zusammenhänge wie in einem Brennglas. Aufgewachsen in Gummistiefeln bei 1200 mm Jahresniederschlag lebt er nun bei weniger als 600 mm in der Lausitz.

Christian Hildmann beschreibt zu Beginn seines Webinars die Funktionsweise des großen („globalen“) Wasserkreislaufes, vom Meer zum Festland, unter Einwirkung der Sonnenenergie. Anschließend beschreibt es den kleinen („regionalen“) Wasserkreislauf und zeigt auf, wie Pflanzen über Verdunstung dieses Kleinklima beeinflussen und auch zur lokalen Wolkenbildung beitragen können. Er skizziert die unterschiedlichen – wissenschaftlich erforschten - Auswirkungen und Rückkopplungen von degradierten und intakten Landschaften in Bezug auf das Thema Wasser(-kreislauf). Ein guter wissenschaftlicher Grundlagenvortrag für die weiteren Praxiswebinare.

Philipp Gerhardt

Keyline Design - wie das Wasser in der Land(wirt)schaft bleibt

Philipp Gerhardt ist Dipl.-Forstwirt, freier Berater und Planer für regenerative Landnutzung. Er hat an der Forstakademie in Tharandt (TU Dresden) studiert, in verschiedenen Forstbetrieben und als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien gearbeitet. Inspiriert ist er von den forstlichen Visionären Heinrich Cotta und Wilhelm Pfeil, deren Idee der ‚Baumfeldwirtschaft‘ früher als auch heute ein vielversprechendes Werkzeug zur Klimaanpassung landwirtschaftlicher Felder darstellt. In der Umsetzung nutzt er moderne Techniken ebenso wie altes Wissen. Mittlerweile hat er zahlreiche Betriebe beraten, die nun u.a. mit Baumpflanzungen und Schlüssellinienbearbeitung (Keyine Design) die Landschaft nachhaltig verändern und ihren Erfolg auf neue Wirtschaftsweisen aufbauen.

Zu Beginn seines Webinars beschreibt Philipp Gerhardt den bereits gravierenden Zustand des deutschen Waldes aufgrund des vergangenen Hitzesommern und zeigt dabei auf, wie Ursachen und Folgen der Umweltprobleme miteinander zusammenhängen. Er erläutert, welche Probleme unsere ausgeräumten Kulturlandschaften mit sich bringen. Detailliert beschreibt er daraufhin, wie eine Kulturlandschaft wieder „funktionsfähig“ umgestaltet werden kann, um die Wasserspeicherfähigkeit in der Landschaft, eine erhöhte Kühlfunktion und eine klimaplastische Ausrichtung erreichen zu können. Dabei geht er speziell auf das Keyline-Design als Gestaltungskonzept zur besseren Steuerung von Wasserflüssen in der Landschaft ein.

Patrick Worms

Agroforstwirtschaft - Mehr Wasser & mehr Leben im System für eine erhöhte Resilienz

Patrick Worms ist u.a. Präsident von EURAF, dem Europäischen Verband der Agroforstwirtschaft; Treuhänder und Schatzmeister der International Union of Agroforestry; Mitglied des Lenkungsausschusses von International Land Lives Peace, der an der Schnittstelle zwischen Landdegradierung und Konflikten arbeitet und Mitglied mehrerer Beratungsgremien. Patrick ist seit den späten 1980er Jahren an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik aktiv. Als junger europäischer Beamter leistete er Pionierarbeit für eine neue Art der Kommunikation, um mit dem ökologischen Erbe des Kommunismus in der ehemaligen Sowjetunion umzugehen, bevor er in die Privatwirtschaft wechselte und sich mit dem katastrophalen ökologischen Erbe des Großen Sprungs Chinas beschäftigte, eine Bemühung, die zur ersten groß angelegten Investition des Privatsektors in Baumpflanzungen zur Sanierung von Wassereinzugsgebieten in diesem Land wurde.

Patrick Worms führt in das Webinar mit der Bezeichnung einer systembewussten Landwirtschaft ein. Denn nur, das Verständnis der verschiedenen Systemprozesse in der Natur, wie diese zusammenhängen und wie diese vom Menschen gemanaged werden können machen den Unterschied zwischen einer Landdegradation und einer Landregeneration aus. Zu Beginn geht er auf das ganzheitliche Weidemanagement ein und zeigt, welches Potential eine bewusst geplante, rotierende Beweidung haben kann. Diese kann auch in einem Agroforstsystem umgesetzt werden. Im Hauptteil zeigt Patrick Worms eine Vielzahl von Agroforstsystemen weltweit und zeigt die positiven Auswirkungen in Bezug auf Klimawandel, Wasserspeicherfähigkeit, Nährstoffverfügbarkeit und Lichtausnutzung auf. Nicht zuletzt skizziert er anhand eines Betriebes aus Großbritannien den ökonomischen Mehrnutzen von Agroforstsystemen gegenüber Monokulturen.

Christine Bajohr

Bereit sein für den nächsten Regen - Ökosystemprozesse verbessern durch ganzheitliches Management

Christine Bajohr bewirtschaftet zusammen mit ihrem Mann den KugelSüdhangHof im Oberallgäu. Der Standort ist extrem schwierig zu bewirtschaften, deshalb haben sich die beiden schon vor vielen Jahren auf den Weg gemacht, nach Alternativen zur traditionellen Grünlandbewirtschaftung zu suchen. In der Zwischenzeit ist Christine vom Savory Institut zertifiziert (Professional Educator) und hat die Consultant-Ausbildung bei Dr. E. Ingham begonnen. Sie hat zudem zusammen mit weiteren Milchviehbetrieben und Wissenschaftlern das KUHproKLIMA-Forschungsprojekt (EIP-Agri-Projekt, Laufzeit bis 3/2023) auf den Weg gebracht. Bei diesem Projekt sollen u. a. praktikable Lösungsansätze aufgezeigt werden, wie die Auswirkungen des Klimawandels auf Grünlandbetriebe abgemildert werden können und gleichzeitig ein aktiver Beitrag zur Klimaverbesserung geleistet werden kann.

Christine Bajohr gibt einen Überblick über den Holistic Management Ansatz von Allan Savory und wie sie diesen auf ihrem Hof im Allgäu anwendet. Dabei legt sie einen Schwerpunkt auf die Beschreibung der vier Schlüsselerkenntnisse, welchen jeden Landwirt bewusst sein sollten, wenn er die Landwirtschaft als das Management eines komplexen Systems anstrebt. Grundlegend dabei ist das Verständnis über die Funktion der vier Ökosystemprozessen: der Photosyntheseprozesse in der Graslandschaft, des Wasserkreislaufes, des Mineralstoffkreislaufes und der Dynamik von Lebewesen in der Landschaft. Sie erläutert, warum das richtige Timing bei der Beweidung wichtig ist, beschreibt den dahinterliegenden Planungsprozess und gibt Tipps für die eigene Umsetzung auf dem Hof.

Armin Meitzler

Mit Vielfalt zum Erfolg - auch bei Trockenstress!

Armin Meitzler bewirtschaftet mit seiner Familie einen 250ha großen Betrieb (incl 24ha Weinbau) in Rheinhessen, seit 2012 als Bioland. Ihre Stärke ist die vielfältige Fruchtfolge mit jährlich ca 18-20 Kulturen. Seit 2014 sind sie Leitbetrieb für Rheinland-Pfalz im ökologischen Landbau, und Demonstrationsbetrieb im Sojaanbau für Rheinland-Pfalz. 2016 lernten sie das System der regenerativen Landwirtschaft von Friedrich Wenz und Dietmar Nässer kennen. Seit dem arbeiten sie zusätzlich regenerativ und sind auch Seminarbetrieb für die Bodenkurse der Grüne Brücke. Seit 2017 Mitglied Bundesfachausschuss für Landwirtschaft im Biolandverband; Gründungsmitglieder der Stiftung »Lebensraum. Mensch. Boden. Wasser. Luft«. Gründung der Vermarktungsgenossenschaft Bio-Familie-Rheinhessen eG.

Armin Meitzler gibt einen guten Überblick über die vielfältigen Maßnahmen, welche er auf seinem Betrieb auf dem Weg zu einer regenerativen Landwirtschaft umsetzt. Die vielfältige Fruchtfolge bildet dabei ein wichtiges Element. Er beschreibt die verwendeten Zwischenfrüchte und geht dabei auf die jeweilige Funktion ein, welche die Zwischenfrüchte im Boden erfüllen. Dabei geht er nicht nach einem festgelegten Rotationsplan vor, sondern integriert Beobachtung und Analyse in den Fruchtfolgeplan. Weiterhin beschreibt er seine Erfahrungen mit dem Konzept der „grünen Brücke“ von Näser/Wenz und wie er einzelne Elemente davon (u.a. Fermente, Komposttee, Pflanzenkohle) auf seinem Betrieb anwendet. Er zeigt sehr anschaulich die Umsetzung und die Resultate dieser Maßnahmen auf seinem Betrieb.